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Zwischen Blumen & Beeren: Feiern im Stephanusgarten


Obwohl es an diesem Maiabend etwas frisch ist, kümmert es niemanden so wirklich. „Ich hol mir noch mal schnell ‘ne Jacke. Kann ich jemandem etwas mitbringen?“ Die Stimmung ist ausgelassen, die Gespräche angeregt und die lange Essenstafel voll von selbst gemachten Leckereien. Die Nachbar*innen der Luttherothstraße in Hamburg-Eimsbüttel sind am Tag der Nachbarn im Stephanusgarten zusammengekommen und genießen die gemeinsamen Stunden.

Wer das ganze initiiert hat? Ralf ist 46 Jahre alt, arbeitet als Grafiker und lebt seit 2010 in der Nachbarschaft. Im Juni 2016 vernetzte er sich erstmals mit seinen Nachbar*innen über nebenan.de und lud noch im selben Jahr zum ersten Nachbarschaftsfest ein. 

Doch genau dieses Vernetzen und Zusammenkommen war nicht immer so einfach wie heute. In den ersten Jahren hatte Ralf kaum Austausch mit seinem Umfeld. Lange ist es weniger die unmittelbare Nachbarschaft, die Menschen in seinem Viertel zu verbinden scheint. Vielmehr sind es zufällige Begegnungen in Cafés, Restaurants und Bars. Hier tauscht sich Ralf aus und lernt neue Gesichter und Geschichten kennen.

Von einer losen Nachbarschaft zu einem Ort der Begegnung

Ralf möchte auch so einen Ort schaffen. Einen Ort, an dem Nachbar*innen sich begegnen, sich wohl fühlen und der für alle zugänglich ist. Doch wie? 2016 wird das Jahr der Ereignisse: Nach einem ersten gemeinsamen Nachbarschaftsfest, dem gemeinsamen Gärtnern und der Vernetzung über nebenan.de stellen Ralf und seine Nachbar*innen einen Antrag zur Umbauung und Nutzung einer öffentlichen Fläche in ihrem Viertel. Und siehe da: Der Bezirk gibt dem Antrag statt! So wird der Stephanusgarten durch nachbarschaftliches Engagement von einer tristen Fläche zu einem naturnahen Gemeinschaftsgarten.

Fragt man Ralf, worum es beim Stephanusgarten genau geht und was dort passiert, so spricht er liebevoll von einer “Bebuntung”. Verschiedene Gehölze, Wildblumenwiesen, Kräuter und Beeren gedeihen und alle dürfen sich daran bedienen. Gepflanzt von Nachbar*innen für Nachbar*innen. Natürlich sind es vor allem die Menschen, die diesen Ort so bunt beleben. Die Sitzbänke aus Holz werden einfach selber gebaut und machen aus der ehemaligen Durchlaufstation einen Treffpunkt an dem sich die Nachbarschaft begegnet.

Ihr wollt eure Nachbarschaft auch verschönern? Bepflanzt doch mit euren Nachbar*innen am Tag der Nachbarn die Flächen rund um die Bäume am Straßenrand. Und so geht’s:

 

Tag der Nachbarn im Stephanusgarten: Nach dem Fest ist vor dem Fest

Zum Tag der Nachbarn organisiert sich das Nachbarschaftsfest bereits wie von allein. „Wer auch immer kommt, es sind die Richtigen“, findet Ralf. Abends um halb sieben trudeln die ersten Nachbar*innen im Stephanusgarten ein. Für alle ist der Weg fußläufig. Es gibt eine lange Tafel, an der alle Platz nehmen. Ralf hat einen Grill organisiert. Jede Person bringt das mit, was ihm/ihr schmeckt. Alle probieren ausgiebig, reichen Schüsseln mit Salaten und anderen Leckereien über den langen Tisch. Die Nachbar*innen der Luttherothstraße freuen sich über das unkomplizierte Treffen. Eine Nachbarin meldet ihre Geburtstagsfeier direkt fürs nächste Wochenende an. Wo? Selbstverständlich im Stephanusgarten. Musik gibt es in diesem Jahr leider keine, im letzten Jahr hatte jemand seine Gitarre mitgebracht. “Dass dieses Jahr ohne Gitarre gefeiert wurde ist nicht schlimm”, meint Ralf, denn “so kann man besser Rücksicht auf die umliegende Nachbarschaft nehmen”. Einzig und allein die frische Brise treibt die Nachbar*innen um elf Uhr abends zurück in ihre Häuser – das Hamburger Wetter bleibt dann doch das Hamburger Wetter.

"Der Tag der Nachbarn ist für uns eine tolle Gelegenheit, um die Menschen aus dem Viertel im Stephanusgarten zum Schnacken und Klönen zusammenzubringen. So macht Nachbarschaft richtig Spaß!"

- Ralf aus Hamburg

Wie geht es weiter nach dem Tag der Nachbarn?

Früher kannten sich die Nachbar*innen der Luttherothstraße nur durchs Fenster oder über den Balkon. Dank Abenden wie heute und der Initiative von Ralf und seinen Mitstreiter*innen, wissen die Anwohner*innen, wer gegenüber wohnt. Sie kennen sich, vertrauen sich und tauschen sich aus. Und durch das gemeinsame Gärtnern und Feiern ist es viel leichter in Kontakt zu treten, als wenn man sich nur morgens verschlafen im Hausflur über den Weg läuft. Ralf wünscht sich, dass sich das Veranstalten von Nachbarschaftsfesten zu einer Institution entwickelt – nicht nur im Stephanusgarten, sondern in ganz Deutschland. Auf einem guten Weg dorthin sind wir in jedem Fall!

 

Fotos: © Roeler


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