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Eine Welle der Solidarität


Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise
 

Tausende Menschen befinden sich derzeit in Quarantäne. Sie sind auf die Hilfe von anderen angewiesen. Daher haben wir als nebenan.de Stiftung den Aufruf "Jetzt ist der Tag der Nachbarn" gestartet. 

Im Interview mit der Bundesregierung gibt unser Geschäftsführer Sebastian Gallander konkrete Tipps, wie man helfen kann, und spricht über das Zusammenrücken der Gesellschaft.

 

Das Interview ist zuerst auf der Informationsseite der Bundesregierung zum Coronavirus in Deutschland erschienen.
 

Angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus haben Sie gerade den Aufruf "Jetzt ist der Tag der Nachbarn" ins Leben gerufen. Was hat es damit auf sich?

Sebastian Gallander: Eigentlich rufen wir jedes Jahr unter anderem gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium dazu auf, kleine und große Nachbarschaftsfeste zu organisieren - überall in Deutschland am letzten Freitag im Mai, dem "Tag der Nachbarn". In diesem Jahr können wir dies so nun leider nicht tun. Das Ziel dieser Initiative - die Stärkung des nachbarschaftlichen Miteinander - ist in diesem Jahr jedoch wichtiger denn je. Deshalb haben wir die Initiative kurzerhand umgewidmet: Wir sagen "Jetzt ist Tag der Nachbarn - Helfen wir einander!" Auf unserer Webseite tagdernachbarn.de sammeln wir nun praktische Tipps, wie man sich jetzt in der Nachbarschaft gegenseitig unterstützen kann, Links zu Hilfsangeboten und Geschichten, die Mut machen.

 

Haben Sie schon einen ersten Tipp, was Nachbarinnen und Nachbarn jetzt tun können, um sich gegenseitig zu unterstützen?

Gallander: Eine der wichtigsten Aufgaben ist es ja jetzt, denjenigen von uns, die besonders gefährdet sind, dabei zu helfen, Sozialkontakte zu vermeiden. Wenn man also selber nicht zu einer Risikogruppe gehört und keine Symptome hat, kann man beispielsweise älteren und kranken Menschen in der Nachbarschaft anbieten, für sie einkaufen zu gehen und den Einkaufsbeutel an die Türklinke zu hängen.

Hierfür haben wir schon einmal ganz schnell eine Vorlage zum Ausdrucken erstellt, die man in den Hausflur oder an die eigene Wohnungstür hängen kann, damit dort jeder ankreuzen kann, ob er Hilfe braucht oder Hilfe geben möchte. Dadurch können wir auch den Menschen, die nicht online sind, helfen, sich effektiv miteinander zu vernetzen.

 

Digitale Netzwerke wie nebenan.de können hierbei sicher gerade jetzt eine wichtige Brücke sein?

Gallander: Auf nebenan.de ist man nur mit den Menschen vernetzt, die wirklich in der eigenen Nachbarschaft wohnen und die ihren richtigen Namen angegeben haben. Normalerweise nutzen das die meisten Menschen zum Bohrmaschine-leihen, Babysitter-finden oder Jogginggruppe-organisieren. In der jetzigen Situation ist der schnelle, unkomplizierte Austausch mit den Menschen, die um uns herum wohnen, natürlich noch wichtiger geworden.

Jedenfalls melden sich jetzt immer Menschen auf nebenan.de - allein am vergangenen Wochenende waren es rund fünfmal so viele wie sonst. Und innerhalb des digitalen Nachbarschaftsnetzwerks geht es dann jetzt natürlich vor allem um Corona.

 

Wie gehen die Menschen dort mit dem Thema um?

Gallander: Es gibt eine Welle der Solidarität. Viele Nachbarinnen und Nachbarn bieten sich dort gegenseitig Hilfe an. So gab es beispielsweise vor kurzem den Vorschlag, für ältere Menschen Muffins zu backen, um sie in der Zeit der Isolation ein bisschen aufzumuntern. Dabei gilt es natürlich unbedingt die Hygiene-Regeln des Bundesgesundheitsministeriums einzuhalten.

Aber auch wenn man gerade keine direkte Unterstützung benötigt, ist es sicher für viele Menschen gut zu wissen, dass es um sie herum ein Sicherheitsnetz aus Menschen gibt, die zusammenhalten und mit denen man sich austauschen kann, wenn man lange auf die eigene Wohnung zurückgeworfen ist. Wir versuchen nun, diejenigen, die Unterstützung anbieten, und diejenigen, die Unterstützung brauchen, noch gezielter zusammenzubringen.

 

Denken Sie, dass diese Solidarität der Menschen in der jetzigen Krise unsere Gesellschaft langfristig verändern wird?  

Gallander: Niemand kann absehen, welche langfristigen Auswirkungen diese Krise haben wird. Aber wir alle können hoffen. Hoffen, dass die Krise das Beste in uns hervorbringt und wir als Gesellschaft näher zusammenkommen. Und dass all die polarisierenden Debatten, die uns in den letzten Jahren und Monaten so auseinandergetrieben haben, nach der Krise gar nicht mehr wichtig sind. Weil wir gemerkt haben, was John F. Kennedy einmal so treffend ausgedrückt hat: "Gegeneinander gibt es kaum etwas, das wir schaffen können. Miteinander gibt es kaum etwas, das wir nicht schaffen können."

 

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat angesichts der Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu Nachbarschaftshilfe aufgerufen. Die Bürger sollten Solidarität zeigen und beispielsweise Einkaufshilfen für ältere Menschen anbieten. Es gehe um ein besonderes und verantwortungsbewusstes Miteinander in diesen Zeiten.