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Interview zur Corona-Hotline


Die gemeinnützige nebenan.de Stiftung und die Nachbarschaftsplattform nebenan.de haben mit weiteren Partner*innen eine neue Seite gestartet, die Angebot und Nachfrage von Nachbarschaftshilfe bündelt: nebenan.de/corona. Warum dieser Schritt nötig war und wie die neue Hotline 0800 866 5544 damit zusammenhängt, erklärt Corona-Stabsleiter Philipp Witzmann im Interview.

 

Nachbar*innen helfen sich ja bereits über nebenan.de. Warum gibt es jetzt die neue Seite nebenan.de/corona?

Wir sehen seit dem Ausbruch der Corona-Krise eine Welle der Hilfsbereitschaft auf unserer Plattform nebenan.de. Nachbar*innen bieten Risikogruppen ihre Hilfe an, gehen füreinander einkaufen oder führen den Nachbarshund Gassi. Jeder, der online ist, kann sich in seiner Nachbarschaft schnell und einfach Hilfe organisieren.

Aber was ist mit den anderen? Wir haben schnell gemerkt, dass jetzt vor allem die Menschen abgehängt werden könnten, die Nachbarschaftshilfe am dringendsten benötigen: Ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören, und sich nicht mehr in den Supermarkt oder in die Apotheke trauen.

Sie sind häufig eben nicht online vernetzt und können weder die Angebote bei nebenan.de wahrnehmen, noch die zahlreichen Facebook-Gruppen finden, die gerade aus dem Boden schießen.

 

Wie können Menschen ohne Internet von der Seite nebenan.de/corona profitieren?

Ältere Menschen sind es gewöhnt, bei Problemen zum Telefonhörer zu greifen. Deshalb haben wir mit unserer gemeinnützigen nebenan.de Stiftung eine Hotline eingerichtet, über die Menschen ein Hilfe-Gesuch aufgeben können: 0800-866 55 44.

Das Gesuch wird ins geschützte Netzwerk unter nebenan.de/corona eingespielt und aktive Nutzer*innen von nebenan.de, die im gleichen PLZ-Gebiet wohnen, können ihre Hilfe anbieten und telefonisch Kontakt aufnehmen.

Die Seite nebenan.de/corona ist also eine Schnittstelle: Sie verbindet Menschen, die nicht bei nebenan.de dabei sind, mit den bereits aktiven Nachbar*innen.

 

Wie funktioniert die Hotline genau?

Wer die Nummer anruft, hört eine automatische Ansage und wird gebeten, seine PLZ über die Tastatur einzutippen. Anschließend kann man über die Eingabe einer Zahl auswählen, welche Art von Hilfe man benötigt. Also z.B. Hilfe beim Einkaufen, bei der Tierbetreuung oder im Haushalt. Die Telefonnummer wird ebenfalls erfasst.

Dann bestätigt man, dass das Hilfe-Gesuch an die Nachbarn bei nebenan.de weitergegeben wird. Nachbar*innen, die bei nebenan.de eingeloggt sind und deren Adresse verifiziert wurde, sehen dann das Hilfe-Gesuch unter nebenan.de/corona. Bei Klick auf “Jetzt helfen” erhält man eine Nachricht mit der Telefonnummer der Person und kann direkt Kontakt aufnehmen.

 

Können Hilfe-Suchende auch eine Nachricht unter der Hotline hinterlassen?

Noch nicht, denn so eine Sprachnachricht kann schlecht automatisch ausgelesen werden. Bei der Hotline war es für den Anfang wichtig, einen automatischen Prozess zu etablieren, um so vielen Menschen gleichzeitig zu helfen.

Im nächsten Schritt setzen wir eine Art Call-Center auf, wo Anrufe auch persönlich entgegengenommen werden und die Mitarbeiter*innen das Gesuch über unser Formular aufgeben. Das wird noch ein paar Tage dauern.

Wer übrigens einfach nur jemanden zum Reden sucht, kann sich auch an die Hotline von Silbernetz e.V. wenden: 0800 4 70 80 90.

 

Warum werden die Gesuche nur bei nebenan.de angezeigt und nicht auf einer Seite, die für alle einsehbar ist? 

Um die Personen, die Hilfe suchen, zu schützen. Der große Vorteil von nebenan.de ist, dass alle Nutzer*innen verifiziert werden, wenn sie sich anmelden. Man muss bei der Anmeldung nachweisen, dass man tatsächlich an der angegebenen Adresse wohnt, z.B. über das Hochladen des Personalausweises. Das gibt es so bei keiner anderen Plattform.

Außerdem treten bei nebenan.de alle Mitglieder*innen mit Klarnamen auf. Das ist wichtig, um das Vertrauen zu erhöhen und einen sicheren Raum für Online-Austausch zu schaffen.

 

Wie kam die Idee mit der Hotline zustande?

Gerade in den letzten turbulenten Tagen war es toll zu sehen, wie viele Initiativen sich in kürzester Zeit zusammengeschlossen haben, um an schnellen Lösungen zu arbeiten. Wir haben uns mit vielen ausgetauscht und überlegt, wie wir unsere Kräfte bündeln können.

Die erste Initiative war gemeinschaft.online. Dahinter steht ein breites Aktionsbündnis, darunter Silbernetz e.V., Wege aus der Einsamkeit e.V., Chaos Computer Club e.V., Jugend Hackt, Microsoft Deutschland und viele mehr. Sie haben in wenigen Tagen die Hotline 07172 9340048 entwickelt und mit uns den automatisierten Prozess zur Schnittstelle nebenan.de/corona eingerichtet. Wir haben viele Ressourcen aus unserer IT angezapft, um das möglich zu machen.

Die zweite Hotline, die unsere gemeinnützige Stiftung betreibt, hilft jetzt dabei, das Prinzip auszuweiten und noch mehr Menschen zur Verfügung stellen zu können. Dabei haben uns auch zahlreiche Partner*innen unterstützt.

 

Was ist als nächstes geplant?

Auch bei nebenan.de merken wir, dass wir Angebote und Nachfrage von Nachbarschaftshilfe noch etwas besser strukturieren müssen. Im Moment kann man in seiner Nachbarschaft  schon etwas den Überblick verlieren, weil es so viele tolle angebote Angebote gibt. Daher können auch unsere bestehenden Nutzer*innen nebenan.de/corona nutzen, um Hilfe-Gesuche zu veröffentlichen.

Außerdem geht es jetzt darum, dass möglichst viele Menschen von den Hotlines erfahren und unser Angebot auch in Anspruch nehmen. Daran arbeiten wir gerade und setzen auch auf die Unterstützung unseres Partnernetzwerks. Wir möchten allen Partnern*innen die Möglichkeit geben, Hilfe-Gesuche über unsere Schnittstelle zu veröffentlichen.

Vielen Dank

 

 

Lasst uns gemeinsam Corona ausbremsen!

Hilf mit, die Hotline 0800 866 55 44 und die Seite nebenan.de/corona bekannt zu machen.

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