young-woman-watching-tv-woman-on-a-couch-sofa-cozy-bundled-up-blanket-flat-apartment-person-rent_t20_vRmNeG.jpg

Tipps für mentale Gesundheit in der Coronakrise


Das Coronavirus und die damit verbundenen Umstände machen vielen von uns Angst  und stellen uns vor neue Herausforderungen. Wie wird sich die Situation entwickeln? Wie lange wird diese Ausnahmesituation anhalten? Und wie schaffen wir es, möglichst gesund durch diese Zeit zu kommen? Dabei geht es nicht nur um unsere körperliche Gesundheit (Tipps zur Hygiene findest du hier), sondern auch um unsere Psyche. Die Sorge um unsere Gesundheit und die unserer Angehörigen, die eingeschränkten sozialen Kontakte und auch die unsichere Zukunftsperspektive können großen mentalen Stress verursachen.

Deshalb haben wir Jan Lenarz gefragt, was wir in dieser Situation tun können. Jan ist Verleger, Autor und Aktivist für mentale Gesundheit und beschäftigt sich intensiv mit den Themen Stressvermeidung und Achtsamkeit. Er hat seine vier wichtigsten Tipps für einen achtsamen Umgang mit der Coronakrise zusammengestellt:

Mache dir deine Emotionen bewusst

Als erstes solltest du deine Emotionen bewusst wahrnehmen und akzeptieren. Die Lage ist für alle derzeit extrem. Selbst wenn du nicht zur Risikogruppe gehörst, darfst du dir Sorgen machen und solltest diese auch ernst nehmen. Lass dir durch gutgemeinte Aufrufe wie „keine Panik“ nicht deine Gefühle verbieten. Die aktuellen Ängste haben aber wenig mit Panik gemein, sondern sind eine natürliche und verständliche Reaktion auf eine akute Bedrohung. Es ist aber leicht, sich vom Strom der Gefühle mitreißen zu lassen. Wichtig ist, dass deine Ängste kein Eigenleben entwickeln und du dich nicht in negativen Gedankenspiralen verhedderst.
Horche achtsam in dich: Wovor hast du gerade im Detail Angst? Was sind deine ganz konkreten Sorgen? Alles, was du benennen kannst, kann dich nicht lähmen. Halte dazu ruhig jede Stunde kurz inne und rufe deine Gedanken und Gefühle ab. Erlaube dir, dieses Sammelsurium von Emotionen und Überlegungen auch mal loszulassen. So deplaziert das klingen mag: Atemübungen, Meditation und leichte Yoga- oder Dehnübungen können helfen, das eigene Angst- und Stresslevel auf ein erträgliches Maß zu bringen. 

 

Übe dich im achtsamen Nachrichtenkonsum

Erfülle deine Informationspflicht, also informiere dich über Vorsichtsmaßnahmen, die dich konkret betreffen. Aber beschäftige dich mit der Pandemie nur darüberhinaus, wenn du wirklich Interesse daran hast. Ganz wichtig: Du entscheidest selbst, wann und wie du dich informierst. Rufe zu einer festen Uhrzeit möglichst sachliche Informationsportale auf und lass dich nicht von morgens bis abends mit Breaking News und Spekulationen berieseln. Informiere dich nur mit einer konkreten Aufgabenbeschreibung, die du auch als erledigt abhaken kannst. Erlaube dir danach, die Gedanken wieder loszulassen. Alle grundlegenden Fakten und Verhaltensregeln sind dir wahrscheinlich sowieso bekannt, alles darüber hinaus hat keinen großen Nutzen. Auch wenn du gelassen mit der Situation umgehst, können sich angstinduzierende Gedanken schnell verselbstständigen.

 

Stärke die Empathie für deine Mitmenschen 

Der schädlichste Gedanke, den du jetzt haben kannst, ist: „Die wollen mir etwas wegnehmen“. In Extremsituationen aktivieren sich ganz archaische Prozesse der Selbsterhaltung. Wer Lebensmittel hamstert, will dir nichts Böses (auch wenn sich das so anfühlt), sondern versucht, die eigene Angst durch Vorsorge zu reduzieren. Dass kann man verurteilen. Hüte dich vor zu pauschalen Aussagen wie „Das sind alles hirnlose Egoist*innen.“ Besorgte Menschen treffen immer mehr Vorkehrungen als Menschen, die eher gelassen mit der Situation umgehen. Das ist nicht per se richtig, aber auch nicht per se falsch. Es bringt dir nichts, dich den ganzen Tag über eine Situation aufzuregen, die du nicht ändern kannst. Fokussiere dich lieber auf das Gute, denn auch davon gibt es momentan viel. Man muss sich nur erlauben, es wahrzunehmen. 

 

Sei der Grund, warum andere an das Gute glauben

Fällt es dir schwer, das Gute zu sehen, sorgst du am besten selbst dafür. Auch wenn du dich gerade machtlos und überfordert fühlst: Selten gab es so viele Möglichkeiten, schnell und direkt anderen zu helfen. Das ist nicht nur gut für deine Mitmenschen, sondern auch für dich: Du verlässt damit den Zustand der Passivität und stärkst dein Gefühl der Selbstwirksamkeit. Du musst nicht gleich den Impfstoff gegen Covid-19 entwickeln, jetzt zählen auch die kleinen Gesten. „Sei der Grund, warum jemand an das Gute im Menschen glaubt“, sagte Karen Salmansohn, und das geht auch, indem du deine Hilfe erst einmal anbietest. Für deine Nachbar*innen ist es ungemein beruhigend, wenn sie wissen, dass da jemand im Haus ist, der sich kümmert. Wie sehr deine Hilfe wirklich in Anspruch genommen wird, ist dabei oft gar nicht das Entscheidende. Ein Gefühl von Gemeinschaft zu stärken, ist jetzt heilsam für alle. Einkäufe und die Erledigung von Besorgungen anbieten oder einfach nur zuhören –jede*r von uns kann jetzt etwas tun. (Tipps für Nachbarschaftshilfe findest du hier)

Vielen Dank, Jan, für deine Tipps! Weitere Ratschläge von Jan findest du in diesem Artikel

Tipps für den Umgang mit häuslicher Quarantäne gibt es auch vom Bundesministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.