Die Tanzwiese

Eine verwilderte Baulücke mitten in der Stadt oder eine Fläche unter einer Brücke am Fluss eignen sich bestens als Treffpunkt für tanzbegeisterte Nachbarn. Inmitten hoher Gräser oder zwischen den Betonpfeilern einer Brücke könnt ihr für euer Fest Baldachine aufspannen und aus Paletten eine Bühne, ein DJ-Pult oder Buden für Essen und Getränke bauen. So beginnt ein unvergessliches Nachbarschaftsfest in magischem Ambiente. Mit einem Lastenfahrrad könnt ihr die Musikanlage und einen Generator zur Stromerzeugung anliefern. Befreundete DJs spielen Musik und sorgen für Visuals, die auf die kahle Mauer im Hintergrund projiziert werden und auch nach Einbruch der Dunkelheit für farbige Akzente sorgen.

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So geht’s

  • Sucht eine Location möglichst abseits von lärmempfindlicher Umgebung (z.B. fernab von Wohnbauten, Naturschutzgebieten etc.).
  • Ist die Fläche Eigentum von Privatpersonen, müsst ihr den Eigentümer ausfindig machen und ihn um Erlaubnis fragen.
  • Bei öffentlichen Flächen kann eine Sondernutzungsgenehmigung beim Ordnungsamt beantragt werden. Falls mit Lärmbeschwerden zu rechnen ist, beantragt vorab eine Beschallungserlaubnis. Eine Vorlage dafür findest du im Download-Bereich.
  • Schließt eine Veranstaltungshaftpflichtversicherung ab. Vergesst nicht, die Rechte für Bild und Ton einzuholen (GEMA oder Vorführrechte).
  • Erzählt von eurem Fest: Ladet eure Nachbarn mit Flyern und Postern ein. Einladungen verbreiten sich außerdem super via SMS oder in den sozialen Medien.
  • Erstellt einen Ablaufplan, um Unklarheiten und Diskussionen vor Ort zu vermeiden: Wer ist wann für Aufbau, Soundcheck, Musik, Bar, Sicherheit, Lärmpegelmessung, Aufräumen und Abbau zuständig? Wer ist Ansprechpartner für Polizei, Ordnungsamt, Anwohner?
  • Erstellt eine Packliste: Werkzeug, Schreibmaterial, Generator, Soundanlage, Mülltüten, Klebeband und ein Erste Hilfe-Kit gehören zur Grundausstattung.
  • Säubert und sichert die Fläche: Beseitigt Verletzungsgefahren, sperrt Stellen mit Absturzgefahr ab, sichert Aufbauten und Aufhängungen gut, haltet Fluchtwege frei und markiert diese.
  • Schildert die Wege für die Gäste aus und verteilt Flyer mit eurer Kontaktnummer bei den Anwohnern.
  • Dekoriert und möbliert die Fläche, baut ein DJ-Pult und eine Bar, organisiert einen Generator und eine Musikanlage. Bestimmt gibt es viele Dinge, die ihr euch in der Nachbarschaft leihen könnt.
  • Respektiert und schützt Natur und Umwelt: Verteilt Aschenbecher und Müllsäcke, vermeidet Wildpinkeln, sammelt am Ende allen Müll und entsorgt ihn.
  • Gebt an der Bar nur geschlossene Getränke (in Dosen und Flaschen) oder Getränke gegen Spende aus. So benötigt ihr keine Schankerlaubnis.

Tipps

Strom

Wenn es keine unmittelbaren Nachbarn gibt, die man um Strom bitten kann, muss ein Generator her. Beachtet dabei, dass der Generator den Strombedarf der Musik- und Lichtanlage decken muss. Stellt den Generator unbedingt in eine Wanne (Blech oder Plastik) oder legt saugfähiges Material darunter, weil Benzin auslaufen kann. Im besten Fall besorgt ihr gleich zwei Generatoren und baut für die Musik und für die Beleuchtung (v. a. auch für eine Notfallbeleuchtung) zwei unabhängige Stromkreise. Alternativ könnte man auch ein Fahrrad treten, an dessen Kette ein Converter angeschlossen ist, der aus Muskelkraft Strom erzeugt. Bauanleitungen für Tretstrom gibt es im Internet. In jedem Fall solltet ihr für den Abbau oder für einen Notfall für ausreichend Lichtquellen und Taschenlampen sorgen.

Elektronisch verstärkte Musik

Um nicht direkt in Konflikt mit Nachbarn oder Passanten zu geraten, gibt es einige Tricks, die Lautstärke zu reduzieren. Der Schall wird weniger weit getragen, wenn die Lautsprecherboxen leicht gegen den Boden geneigt und in Gegenrichtung der nächsten Wohnbebauung ausgerichtet werden. Wasser trägt den Schall besonders gut. Mit Dezibel-Messgeräten (oder entsprechenden Apps fürs Smartphone) lässt sich der Lärmpegel messen. Um die Lautstärke im akzeptablen Rahmen zu halten, könnt ihr die gewünschte Lautstärkenstufe am Regler der Musikanlage mit Klebeband fixieren, damit auch bei wechselnden DJs der maximale Pegel eingehalten wird. Unverbindliche Richtwerte des Lärmpegels betragen direkt an den Boxen maximal 103 dB und 0,5 m vor dem geöffneten Fenster des nächstgelegenen Anwohners maximal 45 dB. Erkundigt euch, um sicherzugehen, bei der Gemeinde nach den jeweiligen Richtwerten.


Autor:

Original-Auszug aus der Freiraum-Fibel - Wissenswertes über die selbstgemachte Stadt, S. 92-95. Hrsg: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Juli 2016.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) untersuchte im Rahmen der Projektstudie "Kreative Nutzung von Freiräumen in der Stadt", wie die Aneignung von Freiräumen durch unterschiedliche Nutzergruppen gefördert werden kann. Als zentrales Ergebnis dieser Forschung wurde eine Freiraum-Fibel entwickelt, die mögliche Handlungsspielräume und die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Nutzung von Freiräumen aufzeigt.

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